Gütersloher gründet ersten E-Sport-Verein in OWL

Der Gütersloher Lukas Kotowicz hat den ersten E-Sport-Verein in OWL gegründet. Sein Club zeigt anhand von Aufklärungs- und Jugendarbeit , dass es im Gaming schon lange nicht mehr nur ums „Zocken“ geht.

Gütersloh. Blasse Haut, Hornbrille, Superheldenshirt. Diese drei Merkmale werden oft mit sogenannten Nerds in Verbindung gebracht, die tagelang im Keller Videospiele spielen. Heutzutage ist diese Vorstellung nichts weiter als eine Stereotype. „Der klassische Zocker ist so gut wie ausgestorben“, betont Lukas Kotowicz. Mittlerweile organisieren sich die „Gamer“ in Teams und Vereinen, trainieren mehrmals die Woche. Einen solchen Verein hat Kotowicz vor einigen Monaten zusammen mit elf Freunden gegründet. Der „OWL-eSports e. V.“, der erste Gaming-Verein in Ostwestfalen-Lippe.

Rund 40 Mitglieder zählt der Club bereits. Tendenz steigend. Denn E-Sport boomt. „Alleine in OWL gibt es tausende Gamer“, sagt Kotowicz. Dabei sei E-Sport nicht mit dem klassischen Zocken zu vergleichen. „Das ist ein abwertender Begriff.“ Schließlich steckt hinter dem ernsthaften Spielen heutzutage eine Menge Arbeit.

„In unserem Verein trainieren wir zwei bis drei Mal in der Woche für je rund zwei Stunden“, erklärt der 32-Jährige, der gleichzeitig Gründer und Vorsitzender seines Clubs ist. Am Wochenende treten die Gamer meist bei Turnieren an, bislang allerdings nur auf regionaler Ebene.

E-Sports studieren? Das geht!

Ihr Training unterscheidet sich dabei nur unwesentlich von sportlichen Übungseinheiten wie beim Fußball, Basketball oder sonstigen Sportarten. „Im ersten Trainingsabschnitt steht Taktikschulung auf dem Programm.“ Für das jeweilige Spiel müssen Laufwege, Routen, Angriffs- und Verteidigungsstrategien erlernt und einstudiert werden. Im zweiten Abschnitt gehe es darum, das Gelernte in der Praxis umzusetzen.

Über vier Trainer verfügt der E-Sport-Verein in Gütersloh. Einer von ihnen habe sogar ein BWL-Studium mit Schwerpunkt E-Sport abgeschlossen.

Trotz des Aufwands wird E-Sport in Deutschland bislang nicht als „richtiger“ Sport anerkannt. Spieler würden sich in den Augen vieler angeblich zu wenig körperlich betätigen, meint Kotowicz. Von Sport könne daher keine Rede sein.

„E-Sport ist im Grunde wie die Formel 1″

Dabei gehe es weniger um die körperliche Betätigung, sondern mehr um den Wettkampf. „E-Sport ist im Grunde wie die Formel 1″, sagt Kotowicz, der selbst mehr als 15 Jahre Basketball beim Gütersloher Turnverein und bei den Paderborn Baskets spielte.

Dort halte sich die körperliche Betätigung ebenfalls in Grenzen, jedoch seien dort Mikro- und Makro-Bewegungen, sprich die Finger- und Armarbeit, von großer Bedeutung. Ähnlich sei es bei E-Sport. Auf 600 Klicks auf Maus oder Controller kommt ein Spieler in einer Minute im Durchschnitt.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist da anderer Meinung. „Als gemeinwohlorientierter Sportverband sehen wir aktuell keinen Anlass, die Abgabenordnung zu ändern und mit E-Gaming/“E-Sport“ einen Bereich aufzunehmen, der vor allem kommerziellen Verwertungsinteressen folgt“ heißt es in einer Positionierung des DOSB-Präsidiums im Dezember 2018.

„Darüber hinaus wollen wir einer Verwässerung des Sportbegriffs entgegenwirken, der aus unserer Sicht gegeben wäre, wenn „E-Sport“ in der Abgabenordnung mit dem gemeinwohlorientierten Sport gleichgesetzt würde“, heißt es weiter.

Politik will E-Sport als Sport anerkennen

Die Politik steht allerdings auf Seiten des E-Sport. „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an“, heißt es im Koalitionspapapier zwischen CDU, CSU und SPD.

„Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“

In Dänemark, Polen, Österreich oder der Schweiz ist E-Sport schon lange als Sport anerkannt. Bei den Asian Games 2018, einer asiatischen Variante der Olympischen Spiele, wurde E-Sport bereits als Demonstrationssport vorgestellt. 2022 wird es fester Bestandteil der Asienspiele und im Medaillenspiegel auftauchen. Längst füllen Turniere große Hallen, ziehen tausende Zuschauer an. Profi-Spieler verdienen mehrere Millionen.

Volle Hütte: Tausende Zuschauer kamen zu einem E-Sport-Event ins Arthur Ashe Stadium in New York. Im größten Tennis-Stadion der Welt finden sonst die US Open statt. | © USA Today Sports

„Wir sehen uns als Breitensportverein“

Beim „OWL-eSports e. V.“ backt man indes kleinere Brötchen. Dem Verein gehören keine Stars an. „Wir sehen uns als Breitensportverein.“ In Gütersloh sind überwiegend jüngere, aber auch der eine oder andere ältere Spieler im Club. „Das Alter unserer Mitglieder reicht von 14 bis 47 Jahren.“

Die Klientel bilden Schüler und Studenten, Familienväter und Berufstätige sowie Singles oder Paare. Genau das mache E-Sport auch aus. „Bei uns kann jeder mitmachen“, betont der 32-Jährige. E-Sport sei Barrierefrei. Es werde weder nach Alter, Herkunft, Religion oder Geschlecht getrennt.

Dazu wollen Kotowicz und seine Mitstreiter in ihrem Verein künftig mehr Jugendarbeit und Aufklärung betreiben.

Jugendliche Mitglieder werden auf Gefahren der Spiele und Spielsucht unterwiesen

„Wir sprechen mit ihnen über Gesundheit vor dem Bildschirm, Spielsucht und die Gefahren der Spiele.“ Von der Aktion sollen dann nicht nur Jugendliche sondern auch Eltern profitieren. „Neulich fragte mich eine Mutter, welchen Vorteil ihr 15-jähriger Sohn denn durch eine Mitgliedschaft in unserem Verein habe“, berichtet der Vorsitzende.

In seinem Verein gehe es weniger um das Spielen an sich. „Es geht um Teamarbeit, um Kommunikation“, erwiderte er der Mutter. Einige von vielen wichtigen Eigenschaften, die Vereinsmitglieder vermittelt bekommen. „Die sozialen Kompetenzen sind uns wichtig“, sagt Kotowicz.

Zudem werde die Medienkompetenz der Jugendliche gefördert. „Wir bieten ihnen einen Einstieg ins Programmieren an.“

Die weiteren Ziele sind für Kotowicz klar: „Ich möchte bis Ende des Jahres 50 Mitglieder haben.“ Aber der ganz große Wunsch bleibt vorerst unerfüllt: „Unser Traum ist es, künftig ein eigenes Vereinsheim zu besitzen“, sagt er. Für einen eigenen Trainingsraum fehlt bislang das Geld.

Quelle: Neue Westfälische (https://www.nw.de/lokal/kreis_guetersloh/guetersloh/22543948_Wie-E-Sportler-gegen-falsche-Vorurteile-kaempfen.html)

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